Rosh Hashanah 12

Kapitel 12

א שהיה חולה בעצרת רב אשי אמר מאי ואכלנו ולדה שלמים בחג דקתני חג השבועות
1 Wenn es am Wochenfeste krank war. R. Aši erwiderte: Unter ‘Fest’, von dem er bekundet, daß sie es dann verzehrten, ist das Wochenfest zu verstehen. –
ב ואידך כל היכא דתני פסח תני עצרת
2 Und jener!? – Wo das Pesaḥfest genannt wird, wird auch das Wochenfest genannt.
ג (אמר) רבא כיון שעברו עליו ג' רגלים בכל יום ויום עובר בבל תאחר מיתיבי אחד בכור ואחד כל הקדשים כיון שעברו עליהם שנה בלא רגלים רגלים בלא שנה עובר בבל תאחר
3 Raba sagte [ferner]: Sobald drei Feste verstrichen sind, begeht man tagtäglich das Verbot des Versäumens. Man wandte ein: Sowohl bei der Erstgeburt als auch bei allen anderen Opfern begeht man das Verbot des Versäumens, sobald ein Jahr verstrichen ist, auch wenn nicht die Feste, oder die Feste vorüber sind, auch wenn kein ganzes Jahr.
ד והאי מאי תיובתיה אמר רב כהנא מאן דקא מותיב שפיר קא מותיב מכדי תנא אלאוי קא מהדר ליתני בכל יום ויום עובר בבל תאחר
4 Was ist das für ein Einwand!? R. Kahana erwiderte: Wer diesen Einwand richtete, hat recht; merke, der Tanna will ja die [vielen] Übertretungen hervorheben, so sollte er doch gelehrt haben: so begeht man tagtäglich das Verbot des Versäumens. –
ה ואידך תנא למיקבעיה בלאו קא מהדר בלאוי יתירי לא קא מהדר
5 Und jener? – Der Tanna will nur hervorheben, wann man das Verbot begeht, nicht wie oft [man es begeht].
ו גופא אחד בכור ואחד כל הקדשים כיון שעברו עליהם שנה בלא רגלים רגלים בלא שנה עובר בבל תאחר בשלמא רגלים בלא שנה משכחת לה אלא שנה בלא רגלים היכי משכחת לה
6 Der Text. Sowohl bei der Erstgeburt als auch bei allen anderen Opfern begeht man das Verbot des Versäumens, sobald ein Jahr verstrichen ist, auch wenn nicht die Feste, oder die Feste vorüber sind, auch wenn kein ganzes Jahr. Allerdings sind drei Feste und kein Jahr möglich, wieso aber ist ein Jahr und keine drei Feste möglich!?
ז הניחא למאן דאית ליה כסדרן משכחת לה אלא למאן דלית ליה כסדרן היכי משכחת לה
7 Allerdings kann dies nach demjenigen vorkommen, nach dem es der Reihe nach erfolgen muß, wieso aber nach demjenigen, nach dem es nicht der Reihe nach zu erfolgen braucht!?
ח בשלמא לרבי משכחת לה בשנה מעוברת דתניא (ויקרא כה, ל) שנה תמימה רבי אומר מונה ג' מאות וששים וחמשה יום כמנין ימות החמה
8 Ferner kann dies auch nach Rabbi bei einem Schaltjahre vorkommen, denn es wird gelehrt: <i>Ein ganzes Jahr</i>; Rabbi sagt, man zähle dreihundertfünfundsechzig Tage, nach der Zählung des Sonnenjahres;
ט וחכ"א מונה י"ב חדש מיום ליום ואם נתעברה שנה נתעברה לו משכחת לה לרבי דאקדשה בתר חג המצות דכי מטא שילהי אדר בתראה שנה מליא רגלים לא מלו אלא לרבנן היכי משכחת לה
9 die Weisen sagen, man zähle zwölf Monate vom betreffenden Tage bis zum selben Tage [des nächsten Jahres], und ist das Jahr ein Schaltjahr, so ist es zu Gunsten [des Verkäufers]. Nach Rabbi kann dies also vorkommen, wenn man es [unmittelbar] nach dem Pesaḥfeste geweiht hat, sodaß im zweiten Adar das [Sonnen]jahr vollzählig ist, die Feste aber es nicht vorüber sind, wieso aber kann dies nach den Rabbanan vorkommen!? –
י כדתני רב שמעיה עצרת פעמים ה' פעמים ששה פעמים שבעה הא כיצד שניהן מלאין חמשה שניהן חסרין שבעה אחד מלא ואחד חסר ששה
10 Nach einer Lehre R. Šema͑jas: Das Wochenfest fällt zuweilen auf den fünften, zuweilen auf den sechsten und zuweilen auf den siebenten [Sivan]; und zwar: sind beide vollzählig, so fällt es auf den fünften, sind beide unvollzählig, so fällt es auf den siebenten, ist einer vollzählig und einer unvollzählig, so fällt es auf den sechsten.
יא ומאן תנא דפליג עליה דרב שמעיה אחרים היא דתניא אחרים אומרים אין בין עצרת לעצרת אין בין ר"ה לר"ה אלא ד' ימים בלבד ואם היתה שנה מעוברת חמשה
11 Wer ist es, der gegen R. Šema͑ja streitet? – Es sind die Anderen, denn es wird gelehrt: Andere sagen, von einem Wochenfeste zum anderen, von einem Neujahrsfeste zum anderen gebe es nur eine Differenz von vier, und in einem Schaltjahre von fünf [Wochen]tagen.
יב בעי ר' זירא יורש מהו בבל תאחר (דברים כג, כב) כי תדור נדר אמר רחמנא והא לא נדר או דלמא (דברים יב, ה) ובאת שמה והבאתם שמה והא מיחייב
12 R. Zera fragte: Begeht auch der Erbe das Verbot des Versäumens? Der Allbarmherzige sagt: <i>wenn du ein Gelübde tust</i>, und dieser hat ja nicht gelobt, oder aber: [es heißt] <i>du sollst dahin kommen; ihr sollt dahin bringen</i>, und dieser ist ja dazu verpflichtet? –
יג ת"ש דתני רבי חייא (דברים כג, כב) מעמך פרט ליורש
13 Komm und höre: R. Ḥija lehrte: <i>Von dir</i>, ausgenommen der Erbe. –
יד והאי מעמך מיבעי ליה זה לקט שכחה ופאה קרי ביה עמך וקרי ביה מעמך
14 [Die Worte] <i>von dir</i> werden ja auf Nachlese, Vergessenes und Eckenlaß bezogen!? – Folgere aus [dem Worte] <i>dir</i> und aus [dem Worte] <i>von</i> (<i>dir</i>).
טו בעי ר' זירא אשה מה היא בבל תאחר מי אמרינן הא לא מיחייבא בראיה או דלמא הא איתה בשמחה
15 R. Zera fragte: Begeht auch die Frau das Verbot des Versäumens? Sagen wir, diese ist ja nicht zur Wallfahrt verpflichtet, oder aber: sie ist ja an der Festfreude beteiligt?
טז א"ל אביי ותיפוק ליה דהא איתה בשמחה ומי אמר אביי הכי והאמר אביי אשה בעלה משמחה לדבריו דר' זירא קאמר
16 Abajje sprach zu ihm: Entscheidend ist, daß sie an der Festfreude beteiligt ist. – Kann Abajje dies denn gesagt haben, er sagte ja, die Festfreude der Frau obliege dem Manne!? Er sagte es nur nach den Worten R. Zeras.
יז איבעי' להו בכור מאימתי מונין לו שנה אביי אמר משעה שנולד רב אחא בר יעקב אמר משעה שנראה להרצאה
17 Sie fragten: Wann beginnt das Jahr für die Erstgeburt? – Abajje sagte, mit der Geburt. R. Aḥa b. Ja͑qob sagte, mit der Eignung zur Opferung.
יח ולא פליגי הא בתם
18 Sie streiten aber nicht; einer spricht von der gebrechenfreien